Wehrmachtjustiz – Sowjetische Speziallager – DDR-Strafvollzug

Ausstellung »Spuren des Unrechts«

Auch die jüngere Vergangenheit Torgaus wird durch hochwertige Ausstellungen auf Schloss Hartenfels vor Augen geführt: Das DIZ Torgau / Stiftung Sächsische Gedenkstätten zeigt im Flügel B die ständige Ausstellung »Spuren des Unrechts« zur Geschichte Torgaus als Haftort im 20. Jahrhundert. Mit Fotos, Dokumenten, Biografien und Video-Interviews beleuchtet die Ausstellung Torgaus Rolle als Zentrale des Wehrmachtstrafsystems im Nationalsozialismus, die Geschichte der Sowjetischen Speziallager Nr. 8 und Nr. 10 und den Strafvollzug der DDR in Torgau. Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eintritt und Führungen sind kostenlos.

Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau

Das DIZ Torgau wurde 1991 gegründet und ist heute Teil der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft. Die Gedenkstätte widmet sich der komplexen mehrschichtigen Vergangenheit Torgaus als Haftort in drei verschiedenen Verfolgungsperioden: während des Nationalsozialismus, der sowjetischen Besatzungszeit und der DDR. Der Schwerpunkt liegt auf dem Bewahren der Erinnerung an die Opfer der Wehrmachtjustiz. Da der zentrale Haftort – Torgau-Fort Zinna – als Justizvollzugsanstalt des Freistaats Sachsen genutzt wird, befindet sich das DIZ Torgau mit seiner Ausstellung nicht dort, sondern im Schloss Hartenfels.

DIZ Torgau Ausstellung

Torgau als Zentrale des Wehrmachtstrafsystems

Torgau entwickelte sich während des Zweiten Weltkriegs zur Zentrale des Wehrmachtstrafsystems, das von den Nationalsozialisten parallel zur zivilen Strafjustiz geschaffen wurde. Hier befanden sich zwei von insgesamt acht Wehrmachtgefängnissen im Deutschen Reich – Fort Zinna und Brückenkopf. Zu den Gefangenen gehörten Befehlsverweigerer, Deserteure und »Wehrkraftzersetzer«. Auch wegen krimineller Delikte verurteilte Soldaten waren unter den Häftlingen. Daneben wurden Angehörige des deutschen und europäischen Widerstandes als Zivilisten in Torgau inhaftiert. Sie waren vom Reichskriegsgericht, dem obersten Wehrmachtgericht, verurteilt worden. Es hatte 1943 seinen Sitz von Berlin-Charlottenburg in die Torgauer Zietenkaserne verlegt. Von Wehrmachtgerichten wurden bis Kriegsende mehr als eine Million Wehrmachtangehörige verurteilt. Über 20 000 von ihnen wurden hingerichtet. In Torgau wurden nach bisherigem Kenntnisstand nachweislich mindestens 197 Soldaten erschossen; geschätzt wurden bis zu 1.000 Todesurteile hier vollstreckt.

Die sowjetischen Speziallager Nr. 8 und Nr. 10

Die sowjetische Geheimpolizei NKWD richtete in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) eine Reihe von »Speziallagern« ein. In Torgau gab es zwischen 1945 und 1948 zwei solche Lager. Im Speziallager Nr. 8 waren Deutsche inhaftiert, die gemäß einem NKWD-Befehl wegen der tatsächlichen oder angeblichen Mitgliedschaft oder Funktion in nationalsozialistischen Organisationen vollkommen von der Außenwelt isoliert wurden. Konkrete Vergehen wurden ihnen nicht angelastet. Ihre strafrechtliche Verurteilung war nie beabsichtigt. Das Lager Nr. 10 diente als Durchgangsgefängnis für Tausende Deutsche sowie sowjetische Staatsbürger vor dem Abtransport in »Besserungsarbeitslager« in der Sowjetunion. Sie alle waren von Sowjetischen Militärtribunalen (SMT) verurteilt. Diese Militärgerichte waren sowohl Instrument zur Ahndung von NS-Verbrechen als auch Mittel zur Durchsetzung der Besatzungspolitik. Mit zunehmendem zeitlichen Abstand zum Kriegsende überwog immer mehr die letztgenannte Funktion. Die sowjetischen Gefangenen waren vor allem für Vergehen gegen die militärische Disziplin, wegen »Landesverrats« oder wegen krimineller Delikte bestraft. Mehr als ein Drittel der etwa 120 000 deutschen Gefangenen überlebte die Haft in den Speziallagern nicht. In den beiden Torgauer Lagern starben mindestens 800 Menschen.

Der Strafvollzug der DDR in Torgau 1950 bis 1990

Ab 1950 bis 1990 wurde das Fort Zinna als DDR-Gefängnis genutzt. Zu den ersten Insassen gehörten Gefangene der sowjetischen Speziallager nach deren Auflösung. Sie waren von Sowjetischen Militärtribunalen wegen Äußerungen gegen die sowjetische Besatzungspolitik, wegen »Spionage« oder wegen ihres Verhaltens während der Zeit des Nationalsozialismus verurteilt worden. Außerdem wurden in den 50er und 60er Jahren aktive Gegner der SED-Politik, die von DDR-Gerichten verurteilt worden waren, in Torgau gefangengehalten. Später überwog der Anteil derjenigen, die wegen krimineller Delikte inhaftiert waren. Daneben verbüßten auch Gefangene, die wegen »ungesetzlichen Grenzübertritts« oder anderer »Verbrechen gegen die DDR« verurteilt worden waren, ihre Strafen in Torgau. Bis 1975 waren in Torgau auch jugendliche Strafgefangene inhaftiert. Seit 1990 ist die frühere Strafvollzugseinrichtung Torgau eine Justizvollzugsanstalt des Freistaats Sachsen.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website DIZ Torgau 

 »Was war wo? Torgau 1933-1945«