Auch die jüngere Vergangenheit Torgaus wird durch hochwertige Ausstellungen auf Schloss Hartenfels vor Augen geführt: Das DIZ Torgau / Stiftung Sächsische Gedenkstätten zeigt im Flügel B die ständige Ausstellung "Spuren des Unrechts" zur Geschichte der Häftlinge und Haftorte in Torgau in der NS-Diktatur, der Sowjetischen Besatzungszeit und der DDR. Mit Fotos, Dokumenten, Biografien und Video-Interviews beleuchtet die Ausstellung Torgaus Rolle als Zentrum der Wehrmachtjustiz im Nationalsozialismus, die Geschichte der Sowjetischen Speziallager Nr. 8 und Nr. 10 und den Strafvollzug der DDR für Erwachsene und für Jugendliche in Torgau.

Das DIZ Torgau wurde 1991 gegründet und ist Teil der Stiftung Sächsische Gedenkstätten zur Erinnerung an die Opfer politischer Gewaltherrschaft. Da der zentrale Haftort – Torgau-Fort Zinna – als Justizvollzugsanstalt des Freistaats Sachsen genutzt wird, befindet sich das DIZ Torgau mit seiner Ausstellung im Schloss Hartenfels.

DIZ Torgau Ausstellung

Informationen zu Führungen, Sonderausstellungen und Veranstaltungen finden Sie auf www.diz-torgau.de .

Torgau als Zentrum der Militärjustiz im Zweiten Weltkrieg

Torgau entwickelte sich während des Zweiten Weltkriegs zum Zentrum der militärischen Justiz, die von den Nationalsozialisten parallel zur zivilen Strafjustiz geschaffen wurde. Die Militärjustiz war ein wichtiges Instrument der Nationalsozialisten, um Kriegsgegner und Widerstandsangehörige zu verfolgen. In Torgau befanden sich zwei von insgesamt acht Wehrmachtgefängnissen im Deutschen Reich – Fort Zinna und Brückenkopf. Das Reichskriegsgericht als oberstes militärisches Gericht verlegte 1943 seinen Sitz nach Torgau.
Zu den Gefangenen gehörten Befehlsverweigerer, Deserteure und wegen "Wehrkraftzersetzung" Verurteilte. Außerdem wurden Angehörige des deutschen und europäischen Widerstandes als Zivilisten in Torgau inhaftiert. Von Wehrmachtgerichten wurden bis Kriegsende mehr als eine Million Wehrmachtangehörige verurteilt. Über 20 000 von ihnen wurden hingerichtet. Auch in Torgau wurden mehrere hundert Todesurteile vollstreckt.

Die sowjetischen Speziallager Nr. 8 und Nr. 10

Die sowjetische Geheimpolizei NKWD richtete in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) insgesamt zehn "Speziallager" ein. In Torgau gab es zwischen 1945 und 1948 zwei solche Lager. Im Speziallager Nr. 8 waren Deutsche interniert, die gemäß einem NKWD-Befehl wegen der tatsächlichen oder angeblichen Mitgliedschaft oder Funktion in nationalsozialistischen Organisationen vollkommen von der Außenwelt isoliert wurden. Konkrete Vergehen wurden ihnen nicht angelastet. Ihre strafrechtliche Verurteilung war nie beabsichtigt.
Das Lager Nr. 10 diente als Durchgangsgefängnis für Tausende Deutsche sowie sowjetische Staatsbürger vor dem Abtransport in "Besserungsarbeitslager" in der Sowjetunion. Sie alle waren von Sowjetischen Militärtribunalen (SMT) verurteilt. Diese Militärgerichte waren sowohl Instrument zur Ahndung von NS-Verbrechen als auch Mittel zur Durchsetzung der Besatzungspolitik. Mit der Zeit überwog immer mehr die letztgenannte Funktion. Die sowjetischen Gefangenen waren vor allem für Vergehen gegen die militärische Disziplin, wegen "Landesverrats" oder wegen krimineller Delikte bestraft. Mehr als ein Drittel der etwa 120 000 deutschen Gefangenen in der gesamten Sowjetischen Besatzungszone überlebte die Haft in den Speziallagern nicht. In den beiden Torgauer Lagern starben mindestens 800 Menschen.

Der Strafvollzug der DDR in Torgau 1950 bis 1990

Ab 1950 bis 1990 wurde das Fort Zinna als DDR-Gefängnis genutzt. Zu den ersten Insassen gehörten Gefangene der sowjetischen Speziallager nach deren Auflösung. Sie waren von Sowjetischen Militärtribunalen wegen Äußerungen gegen die sowjetische Besatzungspolitik, wegen "Spionage" oder wegen ihres Verhaltens während der Zeit des Nationalsozialismus verurteilt worden. Außerdem wurden in den 50er und 60er Jahren aktive Gegner der SED-Politik, die von DDR-Gerichten verurteilt worden waren, in Torgau gefangengehalten. Später überwog der Anteil derjenigen, die wegen krimineller Delikte inhaftiert waren. Aber auch politische Häftlinge waren bis zum Ende der DDR in Torgau in Haft. Sie waren wegen "ungesetzlichen Grenzübertritts" oder anderer "Verbrechen gegen die DDR" verurteilt worden. Bis 1975 waren in Torgau auch jugendliche Strafgefangene inhaftiert. Unter ihnen befanden sich auch jugendliche politische Häftlinge. Seit 1990 ist die frühere Strafvollzugseinrichtung Torgau eine Justizvollzugsanstalt des Freistaats Sachsen.


Weitere Informationen finden Sie auf der Website des  DIZ Torgau .
Google Maps Übersicht  »Was war wo? Torgau 1933-1945«