Die Untersuchungen in Torgau Ende 2025 hatte der Berliner TU-Professor Stefan Weinzierl aus dem Fachbereich Audiokommunikation geleitet. Er beschäftigt sich seit langem mit der digitalen akustischen Rekonstruktion von historischen Konzerträumen und Theatern. Sein Team setzte in der Schosskapelle sogenannte Dokaeder-Lautsprecher ein, die den Schall gleichmäßig in alle Raumrichtungen abstrahlen. Messmikrofone an unterschiedlichen Positionen, wie im Kirchenschiff oder auf der Empore, registrierten das Eintreffen der Schallsignale.
Maßgeblich beteiligt an den Forschungen zur Schlosskapelle ist zudem Prof. Braxton Boren, der in Washington untersucht, wie sich theologische und liturgische Veränderungen der Reformation auf die Raumgestaltung und damit auf die Akustik auswirken. Torgau nimmt in seiner Arbeit eine Schlüsselrolle ein. Ausgehend von den hier generierten Referenz-Daten sollen nun vergleichende Analysen mit weiteren Kirchenbauten folgen - geplant sind beispielsweise die Stadtkirche Wittenberg, die Kathedrale von Trient, die Kathedrale von Amalfi sowie St. Pierre in Genf.
Mithilfe eines präzisen, vom Landratsamt Nordsachsen bereitgestellten 3D-Scans der Kapelle berechneten die Akustiker außerdem den sogenannten „Speech Transmission Index“ (STI), der die Verständlichkeit des gesprochenen Wortes an beliebigen Orten innerhalb des Raumes ausweist. Interessante Erkenntnis: Auf seinem exponierten Platz gegenüber der Kanzel hörte der Kurfürst, rein wissenschaftlich betrachtet, nicht besser als seine Untertanen auf den einfachen Plätzen im Kirchenschiff.




























